Arbeitgeber weisen 13-Prozent-Vorstoß der IG BAU entschieden zurück: „Je schlechter die Lage, desto lauter die Forderungen“

15.06.2026

Die Gewerkschaft IG BAU hat heute ihre Lohnforderungen für die anstehende Tarifrunde veröffentlicht. Demnach sollen die Entgelte für die beschäftigungsstärkste Lohngruppe (LG 1) bei einer Laufzeit von 12 Monaten um mehr als 13 Prozent steigen. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), der für die Unternehmensseite verhandelt, weist die Forderungen entschieden zurück. Die erste Tarifrunde findet am 9. September 2026 statt. Insgesamt verfügt die Branche über neun Lohngruppen. Zwei davon sind als Branchenmindestlöhne allgemeinverbindlich – damit gelten diese ausnahmslos für alle gewerblichen Reinigungskräfte in Deutschland. Der Branchenmindestlohn in der Einstiegs-Lohngruppe für Ungelernte (LG 1) liegt aktuell bei 15 Euro. Fachkräfte (LG 6) verdienen 18,40 Euro pro Stunde.

Hierzu erklärt der Vorsitzende der BIV-Tarifkommission Christian Kloevekorn:

„Nach Jahren der Stagnation und Rezession befindet sich die deutsche Wirtschaft weiterhin in einer Schwächephase. Die außergewöhnlichen Inflationsjahre liegen hinter uns, die Belastungen der Betriebe nicht. Im Gegenteil: Angesichts der politischen Debatten über höhere Sozialversicherungsbeiträge und mögliche zusätzliche Abgabenbelastungen müssen sich Unternehmen auf weiter zunehmende Lohnnebenkosten einstellen.

 

Auch unsere aktuelle Konjunkturumfrage zeigt das schlechteste Stimmungsbild in der Gebäudereinigung seit Beginn der Erhebungen. Kunden, insbesondere aus Industrie, Büro und Verwaltung, reduzieren Aufträge. Investitionen werden verschoben, vor allem die Beschäftigungsdynamik verliert spürbar an Kraft.

Vor diesem Hintergrund ist der Tarifvorstoß der IG BAU kein verantwortungsvoller Beitrag für die Branche, sondern Symbolpolitik ohne Bezug zur ökonomischen Realität. Offenbar gilt: Je schlechter die Lage, desto lauter die Forderungen.

Für Betriebe, Beschäftigung und die Zukunft unseres personalintensiven Handwerks ist das kein Lösungsvorschlag, sondern Teil des Problems.“