Herbst-Konjunkturumfrage 2026: Negativstimmung hält an – klare Mehrheit gegen Abschaffung der Minijobs

01.10.2026

Die heute veröffentlichte Herbst-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) bestätigt die anhaltend schwierige Lage. Seit 2019 erhebt der BIV zweimal jährlich exklusive Branchenzahlen. Für das laufende Geschäftsjahr blicken lediglich 19 Prozent der befragten Unternehmen (Frühjahr: 16 Prozent) mit positiver Prognose auf die Geschäftsentwicklung. 51 Prozent (Frühjahr: 50 Prozent) erwarten gleichbleibende Geschäfte, 30 Prozent (Frühjahr: 34 Prozent) rechnen mit einer Negativ-Entwicklung. Kunden- und Auftragsdynamik bleiben schwach – Tendenz schwächer. Der Ausblick auf 2027 verdüstert sich ebenso. Gleichzeitig spricht sich eine klare Mehrheit der befragten Unternehmen gegen eine Abschaffung der Minijobs aus: 76 Prozent lehnen diese von Union und SPD ins Spiel gebrachten Pläne ab.

Unzufriedenheit mit der Bundesregierung erreicht Tiefpunkt

Nie zuvor haben die Unternehmen in einer BIV-Konjunkturumfrage eine Bundesregierung insgesamt so schlecht bewertet. Die „Große Koalition“ von Bundeskanzler Merz erreicht auf der Zufriedenheitsskala von 1 bis 10 lediglich 2,7 Punkte – ein deutliches Minus gegenüber dem Frühjahr (3,7).

Sorgen vor Folgen einer möglichen Minijob-Abschaffung

Ein wesentlicher Grund dürfte auch der widersprüchliche Kurs bei den Minijobs sein. Fast die Hälfte der Beschäftigten in der Gebäudereinigung arbeitet im Minijob (77 Prozent als Nebentätigkeit). Während Union und SPD deren Abschaffung ins Spiel bringen, erhöht die Bundesregierung gleichzeitig massiv und einseitig die Kosten für die Unternehmen. Nach bisherigem Kenntnis- und Entwurfsstand sollen die SV-Beiträge allein für Arbeitgeber im Minijobbereich ab 2027 um 8,1 Prozentpunkte steigen (KV: 4,5 Prozent ab 2027, Pflege: 3,6 Prozent ab 2028). Hinzu kommen Pläne für eine kapitalgeckte Zusatzrente (1 Prozent jeweils für Unternehmen sowie Beschäftigte, schrittweise Einführung ab 2028).

Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich warnt daher eindringlich: „Mitten in der Krise ein bewährtes Modell für Unternehmen drastisch zu verteuern und für Millionen Menschen aufs Spiel zu setzen, ist wirtschaftspolitischer Irrsinn. Diese zusätzlichen Belastungen für die Betriebe müssen vom Tisch – ohne Wenn und Aber. Die Wirtschaft braucht Entlastung und Planungssicherheit – keine existenzgefährdenden Gedankenspiele.“

Die Vorbehalte gegenüber einer möglichen Abschaffung der Minijobs sind groß:

  • 92 Prozent erwarten, dass die Schwarzarbeit im Falle einer Abschaffung zunehmen würde.
  • 84 Prozent rechnen mit einer deutlichen Verschärfung der Personalknappheit.
  • 68 Prozent gehen davon aus, dass sich Minijobber aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen würden.

Für 40 Prozent wäre die Abschaffung ein derart schwerwiegender Eingriff, dass sie sogar die Weiterführung ihres Betriebs gefährdet sehen.

Auch der These, Minijobs ließen sich eins zu eins in SV-Beschäftigung übersetzen, widerspricht die Mehrheit der Unternehmen: 26 Prozent gehen mit Blick auf den eigenen Betrieb davon aus, dass kein einziger Minijobber in eine SV-Tätigkeit wechseln würde. 34 Prozent schätzen, dass gerade einmal ein Zehntel zu diesem Schritt bereit wäre. 13 Prozent erwarten, dass höchstens bis zu einem Fünftel der Minijobber einen SV-Job annehmen würde. Damit gehen fast drei Viertel der Betriebe davon aus, dass sich Minijobs gar nicht oder nur in sehr bescheidenem Umfang in SV-Beschäftigung umwandeln ließen.

Trend: Technik statt Menschen

Steigende Lohnnebenkosten und die anhaltende Personalknappheit verstärken bei vielen Unternehmen den Trend, stärker auf Maschinen, Technik und Robotik zu setzen. 58 Prozent der befragten Unternehmen geben an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren verstärkt den technischen Ersatz von Menschen anzustreben. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, wie personalintensiv die Gebäudereinigung trotz technologischen Fortschritts ist und bleibt: 57 Prozent gehen davon aus, dass Maschinen, Technik und Robotik in den kommenden Jahren bis zu 10 Prozent der Belegschaft ersetzen könnten. 28 Prozent rechnen mit einem Ersatz von bis zu 20 Prozent, 10 Prozent mit bis zu 30 Prozent.

Auftrags- und Beschäftigungsdynamik: schwach und weiter rückläufig

70 Prozent (Frühjahr: 65 Prozent) berichten von einer deutlichen Leistungsreduktion auf Kundenseite. 57 Prozent der befragten Betriebe (Frühjahr: 49 Prozent) verzeichnen einen spürbaren Rückgang bei Kunden bzw. Kundenaufträgen.

30 Prozent (Frühjahr: 29 Prozent) der befragten Unternehmen mussten 2026 Mitarbeitende betriebsbedingt entlassen. Für 2027 rechnen 40 Prozent (Frühjahr: 41 Prozent) mit einem solchen Schritt. Gleichzeitig suchen immer weniger Unternehmen Personal: 28 Prozent (Frühjahr 2026: 26 Prozent, Frühjahr 2024: 11,9 Prozent) sind aktuell nicht auf Beschäftigtensuche – ein für die Branche ungewöhnlich hoher Wert, Tendenz steigend.

 

Ausblick auf 2027 verschlechtert sich

Die Gemengelage aus Konjunkturkrise und Zweifeln an sinnvollen Wirtschaftsreformen sorgt dafür, dass der Ausblick auf 2027 düster ausfällt: Nur 17 Prozent der befragten Unternehmen blicken positiv auf 2027 (Frühjahr: 20 Prozent). 36 Prozent erwarten gleichbleibende Geschäfte (Frühjahr: 47 Prozent). Gleichzeitig rechnen 47 Prozent mit einer negativen Entwicklung (Frühjahr: 33 Prozent).

An der Online-Umfrage haben sich im Zeitraum vom 2. bis 20. September 2026 bundesweit 350 Mitgliedsunternehmen beteiligt.